Ich erinnere mich gut an diesen schönen Sommertag:

Wie jedes Jahr verbringen wir einige Wochen auf Korsika.
Mein Patient hat durch liebe Freunde Gelegenheit Urlaub zu machen und meine Kollegen und ich arbeiten in einer traumhaften Kulisse!
An diesem Tag wollten wir eine Runde laufen.
Ich als zuständige Pflegefachkraft habe vorab alles gecheckt und vorbereitet und dann gings los:
Sämtliche Geräte in Ordnung? Genügend Verbrauchsmaterial dabei? Ausgeh-Rucksack mit Notfall-Equipment vollständig?
Weil der Tag so herrlich war entwickelte sich der kleine Spaziergang jedoch bald zu einer größeren Wanderung.
Da dies so nicht geplant war hatte ich leider keine Getränke dabei, dabei wurde es zusehends heißer!
Mitten in der superschönen Landschaft kratzen wir daher unsere letzte Habe zusammen, stolze 5,92 Euro (für korsische Verhältnisse nicht viel)!
Gut, jetzt brauchte es nur noch eine Einkaufsmöglichkeit!
Wir sind also weiter und nach einigen Kilometern tauchte ein kleiner Supermarkt auf.
Mit dem E-Rolli sind wir hinein und beratschlagten den Einkauf.
Die Kommunikation läuft über das Aufzählen von Buchstabenreihen, mein Patient blinzelt dann beim richtigen Buchstaben.
Wir vom Pflegeteam haben darin Routine und so lässt sich alles rasch klären.
Zudem nutzen wir noch die Mimik und andere nonverbale Verständigungsmöglichkeiten.
Auffallen tun wir natürlich damit, aber das sind wir gewöhnt!
Ist auch klar, eine nur deutschsprechende Pflegerin und ein beatmeter Patient der sich weder bewegen noch sprechen kann, trotzdem kurven wir unbeirrt durch die engen Gänge und notfalls wird noch mittendrin über die Trachealkanüle abgesaugt…

Wir haben schließlich Wasser und Eis eingekauft.
Ein normales Schleck-Eis kann mein Patient nicht essen, es musste eines im Becher sein.
Also brauchten wir auch noch Plastiklöffel.
Damit hatten wir dann letztendlich unser Budget wirklich bis auf den allerletzten Cent verbraucht!
Dafür standen wir anschließend glücklich und zufrieden mit unseren zwei Eis vorm Laden und ich löffelte abwechselnd aus unseren Bechern.
Mein Patient kann noch essen und trinken, das will er sich nicht nehmen lassen, aber nur bestimmte Konsistenzen und sehr langsam.
Weil er so aber nicht seinen gesamten Tagesbedarf decken kann, wird er noch über eine PEG (künstlicher Magenzugang) versorgt.
Das heißt zum Beispiel, Mahlzeiten isst er soweit er kann auf normalem Weg, den Rest verabreichen wir anschließend püriert über die PEG.
Soweit es geht führt mein Patient also ein selbstbestimmtes Leben.
Und wir als seine Pflegekräfte helfen und fördern ihn dabei gerne bei der Umsetzung!

Zurücklaufen mussten wir dann übrigens nicht mehr.
Ein Anruf und wir wurden abgeholt mit dem Patienten-Bus.
Rampe ausklappen, E-Rolli hineinfahren, alles sichern. Nachhause. Feierabend!

A bientôt en Corse!